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Nicht schon wieder..

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Nicht schon wieder..
« am: Gestern um 01:17:35 »
Hallo liebe Leser,

Ich bin Daniel, 29 Jahre und habe on den letzten 15 Monaten viel Geld durch Trading verloren und hohe Schulden aufgebaut.

Nachdem ich mich im Dezember dazu entschieden habe meinen Eltern und meiner Partnerin alles zu beichten (einer der schlimmsten Tage in meinem Leben) und mit einem Schuldnerberater meine Schulden in Angriff genommen habe, lief alles gut.

Ich überweise meiner Freundin jeden Monat Geld, welches sie für mich spart.
Sie war natürlich sehr enttäuscht, aber wollte mir helfen.

Ich dachte, jetzt geht es bergauf.
Falsch gedacht.
Seit 2 Wochen trade ich wieder und überraschung: ich habe all das Geld was ich zur Verfügung hatte verloren.

Ich schäme mich zutiefst und habe unfassbaren Hass auf mich selbst.
Ich habe mich selbst und alle meine liebsten erneut enttäuscht. Ich könnte heulen.

Die Enttäuschung damals war riesig, ich kann mir nicht mal ansatzweise vorstellen wie sie auf meinen Rückfall reagieren.

Ein Suchtkopf bleibt ein suchtkopf. Verdammt nochmal.

Ich hasse es, traden stresst mich unfassbar aber aufhören konnte ich offensichtlich auch nicht.
Dieses verheimlichen und so tun als wäre alles bestens. So eine Heuchelei.

Sorry für soviel negativität aber ich bin so wütend..




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Offline Wolke 7

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Re: Nicht schon wieder..
« Antwort #1 am: Gestern um 05:34:55 »
Moin Daniel,

ersteinmal willkommen hier im Forum.

Ich verstehe nie,warum Angehörige enttäuscht sind ,wenn man ihnen das erste Mal von der Sucht und dem Problem erzählt.  Sie haben selbst keine Ahnung was da alles hintersteckt und sollten sich erstmal informieren, bevor sie sowas äußern und den Süchtigen weiter runterziehen. Ich weiß, viele Angehörige denken einfach nur ,es ist eine Willenskraft und man soll sich mal zusammenreißen und einfach damit aufhören, aber so einfach geht das leider nicht.

Was heisst denn,dein verfügbares Geld ist weg? Hattest du denn noch so viel zur freien Verfügung? Kannst du die Summe ,die du deiner Freundin zum Sparen überweist, stark erhöhen  deine Rechnungen schnell bezahlen und dir für den Monat,  das Geld was du benötigst,bar abheben? Dein Konto wäre dann bei 0,du hat aber alles  bezahlt, dein Taschengeld haste in bar und du sparst sehr viel,kommst da aber nicht ran.
 Würde da was gegen sprechen?

LG Wolke

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Offline Olli

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Re: Nicht schon wieder..
« Antwort #2 am: Gestern um 06:12:56 »
Guten Morgen Daniel und herzlich willkommen!

Zitat
Ein Suchtkopf bleibt ein suchtkopf. Verdammt nochmal.

Wieviel von der Essenz dieser Worte ist aber in Deinem Kopf und Deinem Herzen angekommen? Was bedeutet das für Dich?

Na klar, Du hast Dich geoutet. Ging finanziell nichts mehr? Dann bist Du zum Schuldnerberater. Prima. Was ist aber mit SHG? Mit Beratungsstelle? Hast Du irgendetwas für Deine Genesung getan? Ich schreibe Dir das nicht als Vorwurf, sondern als Beginn einer Erklärung. Der Mensch ist ein Gewohnheitstier. Auch das Traden ist bei Dir zur Gewohnheit geworden, getoppt durch die Sucht. Doch diese übt eine Funktion aus. Welche? Das kann ich nur erahnen. Wer tradet, der glaubt an seine Kompetenzen. Viel Aufwand ist zu betreiben, um "Wissen" anzueignen. Warst Du also vielleicht auf der stillen Suche nach Bestätigung? Bekommst Du diese in Deinem Umfeld wenig oder gar nicht?
Bei dieser Art des Glücksspiels kann auch ein schneller finanzieller Erfolg das Ziel sein. Welchen Stellenwert hat also Reichtum für Dich? Was könnte Geld in Deinem Leben verbessern, was Du ohne nicht könntest? Bist Du besonders "reich" aufgewachsen? Oder doch eher in bescheidenen Verhältnissen?

Dies sind nur zwei Ansätze, mit denen Du Dich beschäftigen kannst. Tatsächlich gibt es aber sicherlich dutzende, wenn nicht hunderte Aspekte, die zu Deiner Sucht geführt haben. Finde es heraus! Vieles wird sich verändern in Deinem "Suchtkopf", wenn Du Dich hinterfragst. Zumeist wird alles besser und verständlicher, wenn Du Deine Glaubenssätze zu hinterfragen anfängst. Als Beispiel: Haben all die Stunden, in denen Du Dich für das Traden vorbereitet hast Deine Erfolge vergrößert? Kannst Du, bei der riskanten Tradingvariante "reich" werden? Kannst Du als Süchtiger überhaupt gewinnen?

Zum Schluss möchte ich nun auf Deinen Selbsthass eingehen. Bringt der Dich weiter? Wo war er, als Du angefangen hast das Ersparte wieder zu verzocken? Wie viel von diesen negativen Emotionen gehört eigentlich noch mit zum "Spiel"? Können diese Dich nicht wieder genau dahin führen, worauf Du gerade so sauer bist? Oder sind diese Gefühle nur auf das Empfinden der Scham zurückzuführen, erneut gegen die Regeln und Normen Deiner sozialen Gruppe verstoßen zu haben?

Als Süchtiger benötigst Du Zeit für Deine Genesung. In dieser Zeit gewöhnst Du Dir die Sucht wieder ab, Sie wird nie mehr ganz weg gehen, denn die Erfahrungen und die Rückschlüsse daraus, ob richtig oder falsch, werden weiterhin in Deinem Gehirn verbleiben. Du hast Aufwand für die Sucht betrieben, nun ist die Genesung dran mit Aufwand erreicht zu werden. Dieser Aufwand, dieses Tun ist weit erträglicher für Deinen Selbstwert, als es das Traden je sein könnte.

Um Zeit für die Genesung zu haben, solltest Du Dir alle Möglichkeiten zum Traden verbauen. Also ein gemeinsames Geldmanagement mit Deiner Freundin einrichten, sofern sie dazu bereit ist. Eine App mit ihr installieren, damit Du keinen Zugriff auf schädliche Seiten hast. Du weisst da am Besten, was Dich triggern könnte. Verbaue Dir jeden einzelnen Zugang. Mache es Dir leicht, indem Du es Dir schwer machst!

Gutes Gelingen!
Gute 24 h
Olaf


(Da ich kein Jurist bin, darf ich auch keine Rechtsberatung machen oder Handlungsanweisungen geben.
Ich gebe hier lediglich unverbindlich meine Meinung und Erfahrungen wieder.)
Hier geht es zum Samstagsmeeting_ https://us02web.zoom.us/j/87305340826?pwd=UnFyMlB6bkwyTHU3NGVISWFGNSs2

 

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