Guten Morgen Daniel und herzlich willkommen!
Ein Suchtkopf bleibt ein suchtkopf. Verdammt nochmal.
Wieviel von der Essenz dieser Worte ist aber in Deinem Kopf und Deinem Herzen angekommen? Was bedeutet das für Dich?
Na klar, Du hast Dich geoutet. Ging finanziell nichts mehr? Dann bist Du zum Schuldnerberater. Prima. Was ist aber mit SHG? Mit Beratungsstelle? Hast Du irgendetwas für Deine Genesung getan? Ich schreibe Dir das nicht als Vorwurf, sondern als Beginn einer Erklärung. Der Mensch ist ein Gewohnheitstier. Auch das Traden ist bei Dir zur Gewohnheit geworden, getoppt durch die Sucht. Doch diese übt eine Funktion aus. Welche? Das kann ich nur erahnen. Wer tradet, der glaubt an seine Kompetenzen. Viel Aufwand ist zu betreiben, um "Wissen" anzueignen. Warst Du also vielleicht auf der stillen Suche nach Bestätigung? Bekommst Du diese in Deinem Umfeld wenig oder gar nicht?
Bei dieser Art des Glücksspiels kann auch ein schneller finanzieller Erfolg das Ziel sein. Welchen Stellenwert hat also Reichtum für Dich? Was könnte Geld in Deinem Leben verbessern, was Du ohne nicht könntest? Bist Du besonders "reich" aufgewachsen? Oder doch eher in bescheidenen Verhältnissen?
Dies sind nur zwei Ansätze, mit denen Du Dich beschäftigen kannst. Tatsächlich gibt es aber sicherlich dutzende, wenn nicht hunderte Aspekte, die zu Deiner Sucht geführt haben. Finde es heraus! Vieles wird sich verändern in Deinem "Suchtkopf", wenn Du Dich hinterfragst. Zumeist wird alles besser und verständlicher, wenn Du Deine Glaubenssätze zu hinterfragen anfängst. Als Beispiel: Haben all die Stunden, in denen Du Dich für das Traden vorbereitet hast Deine Erfolge vergrößert? Kannst Du, bei der riskanten Tradingvariante "reich" werden? Kannst Du als Süchtiger überhaupt gewinnen?
Zum Schluss möchte ich nun auf Deinen Selbsthass eingehen. Bringt der Dich weiter? Wo war er, als Du angefangen hast das Ersparte wieder zu verzocken? Wie viel von diesen negativen Emotionen gehört eigentlich noch mit zum "Spiel"? Können diese Dich nicht wieder genau dahin führen, worauf Du gerade so sauer bist? Oder sind diese Gefühle nur auf das Empfinden der Scham zurückzuführen, erneut gegen die Regeln und Normen Deiner sozialen Gruppe verstoßen zu haben?
Als Süchtiger benötigst Du Zeit für Deine Genesung. In dieser Zeit gewöhnst Du Dir die Sucht wieder ab, Sie wird nie mehr ganz weg gehen, denn die Erfahrungen und die Rückschlüsse daraus, ob richtig oder falsch, werden weiterhin in Deinem Gehirn verbleiben. Du hast Aufwand für die Sucht betrieben, nun ist die Genesung dran mit Aufwand erreicht zu werden. Dieser Aufwand, dieses Tun ist weit erträglicher für Deinen Selbstwert, als es das Traden je sein könnte.
Um Zeit für die Genesung zu haben, solltest Du Dir alle Möglichkeiten zum Traden verbauen. Also ein gemeinsames Geldmanagement mit Deiner Freundin einrichten, sofern sie dazu bereit ist. Eine App mit ihr installieren, damit Du keinen Zugriff auf schädliche Seiten hast. Du weisst da am Besten, was Dich triggern könnte. Verbaue Dir jeden einzelnen Zugang. Mache es Dir leicht, indem Du es Dir schwer machst!
Gutes Gelingen!