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Wirklich spielsüchtig.

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Wirklich spielsüchtig.
« am: 22 Juni 2014, 18:49:22 »
Hallo an alle die dies lesen.

Es ist wirklich schwer ein Forum im Internet über das Thema Spielsucht zu finden. Es scheint mir, dass dies ein Forum ist bei dem es noch Teilnehmer gibt, was man bei anderen nicht unbedingt sagen kann. Das hätte ich nicht erwartet bei einem so wichtigen Thema. Vielleicht liegt es daran dass die meisten süchtigen zu viele Probleme haben, als dass sie noch Beiträge schreiben könnten.

Wie auch immer, ich lege mal los mit schreiben. Dies erleichtert mir etwas die Situation, warum auch immer.

Ich spiele, wie könnte es auch anders sein. Und dies schon viel zu lange. ich bin 46 Jahre alt und habe das erste mal mit ca. 21 gespielt. Angefangen hat es am Automaten. Ich kann mich noch sehr gut an das erste mal erinnern. es war ein für die heutige Zeit ziemlich einfaches Gerät. Ein Roulett an der Wand einer Spielhalle. Es bestand aus zwölf Zahlen, einer 0 und einer 00. Wenige Wochen später saß ich am Automatenroulette im Casino. Ich war damals Student und hatte nicht viel Geld. Meistens verlor ich, was bedeutete, dass ich bis Ende der Woche kein Geld hatte und am Freitag Probleme hatte nach Hause zu meinen Eltern zu  fahren, da die Busfahrkarte nicht kostenlos war und ich pleite. Dies kulminierte damit, dass ich als sich die Gelegenheit bot meinem Vater 5000 DM klaute um diese unverzüglich in einer Spielhalle zu verspielen. Das erste mal in meinem leben (und auch das letzte) bekam ich Prügel von meinem Vater, als er dies merkte. als folge dieser Eskalation gingen meine Eltern mit mir in ein Krankenhaus, wo ich bei einem Psychiater vorstellig wurde. Dies war der erste und der letzte Besuch bei ihm, ich fand es nicht hilfreich.
Seit dem vergingen einige Jahre. Ich spielte nicht. 1-2 Jahre war ich von meinem eigenen Verhalten erschrocken und spielte nicht. ich fing ein neues Studium an und fing wieder an zu spielen. Diesmal am richtigen Roulett im Casino. Meine Spezialität war das Verfolgen der  Kugel und das setzen kurz bevor Schluss war.Ich gewann mehrmals und fing dann an zu verlieren. Als ich nicht mehr weiter wusste, versuchte ich mir von meinem Bruder Geld auszuleihen. Dies ging schief. Er informierte meine Mutter und so flog die ganze Sache auf. Mein Studium war wieder Vergangenheit, da ich nicht in der Lage war alleine zu leben und zu Studieren. ich suchte mir einen Job und Arbeitet eine Weile, interessanter Weise ohne zu Spielen. Mit 27 fing ich wieder an zu Studieren. Diesmal spielte ich nicht. Ich beendete erfolgreich das Studium und suchte mir eine Arbeit. Ich wurde Angestellter bei einer großen Gastronomie-Kette. Nach 2 Jahren wurde ich zum Filialleiter befördert. Ich hatte es endlich geschafft. Doch dann fingen die richtigen Probleme erst an. Mein Gehalt war nicht hoch. Ich brauchte ein Auto, eine Wohnung und es blieb nicht viel von meinem Geld übrig. Mit guten Vorsetzen und 300 Euro ging ich in ein Casino und spielte Automatenroulette. Und ich gewann und konnte gar nicht mit Gewinnen aufhören. An diesem ersten Abend waren es 2000 Euro. eine Woche danach 4000. Meine Besuche im Casino wurden häufiger. Es wurde fast jeder Tag, immer wenn ich fertig mit der Arbeit war. Ich setzte mir Limits und versuchte mich so vor erneutem Verlust zu schützen ich gewann jedes mal und ging nach Hause wenn mein Gewinn 1000 - 2000 Euro betrug. Ich legte mir ein Sparbuch an, zahlte mein Auto in Bar ab. Ich kaufte mir teuere Klamotten und dachte es würde immer so weitergehen. Dann kam auf einmal der Tag an dem ich lernte, dass ich auch verlieren konnte. ich hatte nach allen Ausgaben noch ca. 9000 Euro auf dem Sparbuch und ging wie immer zum Spielen (ich sagte damals dazu "Geld Verdienen"). Und ich verlor und holte neues Geld, wieder und wieder, bis abgesehen von 1000 Euro nichts mehr da war und auch dieser Betrag steckte im Automaten. Doch ich spielte weiter, konnte nicht begreifen wie ich verlieren konnte. Ich hatte noch einmal Glück. Ich gewann meine 9000 Euro wieder und ging erleichtert nach Hause. Das Glück war allerdings nicht von Dauer. Ich verlor nicht ständig, doch genug dass nichts übrig blieb. Ich glaubte an eine Pechsträhne und holte mir von der Bank ein Kredit, zuerst nur 3000 Euro, dann erhöhte ich ihn immer und immer wieder bis er bei 24000 Euro war und ich kein Geld von der Bank mehr bekam. Meine Rate betrug 550 Euro und ich bezahlte sie mehr schlecht als recht. Wenige Monate später nahm ich aus der Filiale eine Bankeinzahlung von fast 10000 Euro und dann noch 2 kleiner mit. Da es Wochenende war verspielte ich alles an nur zwei Abenden. Als am darauf folgenden Montag auffiel dass das Geld fehlte, verschwand ich erst für 5 Tage. Ich fuhr durch die Gegend, übernachtete in Hotels, bis mir klar wurde dass ich mich stellen musste. Ich tat dies und wurde erst einmal festgenommen und für eine Nacht eingeschlossen. Ein Jahr später verurteilte mich die Richterin. Zum Glück war es "nur eine Bewährungsstrafe" und 100 Sozial-stunden. Eine wirklich fürchterliche Erfahrung, muss ich zugeben.
Ich schwor mir selbst nicht mehr zu spielen und hielt es 3-4 Jahre durch. Dann nahm ich das Geld vom nächsten Arbeitgeber, diesmal ca. 10000 Euro. Der Arbeitgeber kündigte mir nicht einmal das Arbeitsverhältnis, lies mich aber in Monatsraten den Schaden bezahlen. Zumindest bis ich die nächsten 600 Euro von Tageseinnahmen verspielte. Danach war auch diese Arbeit Vergangenheit. Meine Lebenspartnerin hielt die ganze Zeit zu mir, versteckte aber alle Bankkarten von mir, wie auch die Geheimnummern. Ich suchte mir fachliche Hilfe und hielt es auch mehrere Sitzungen durch. Doch dann ging ich nicht mehr hin. ich dachte ich hätte es nicht mehr nötig. das war vor 4 Jahren. Seit dem spiele ich immer wieder in Spielhallen, nicht wenig, aber auch nicht zu viel. Ich schaffe es neben dem Spielen mein Teil des Haushaltsgeldes zu bezahlen und meinen Teil des Urlaubes. ich muss aber zugeben mehr schlecht als recht.
Ich arbeite jetzt als LKW Fahrer und fahre Stückgut, manchmal auch Nachnahmen.
letzten Freitag hatte ich kein Geld mehr und eine Nachnahme von 850 Euro. Naja.... diese sind jetzt auch im Automaten und niemand weiß es noch, nicht einmal meine Lebensgefährtin. Ihr ist nur bekannt, dass ich 850 Euro verspielt habe, aber sie denkt es wären meine.
Morgen, in ca. 12 Stunden muss ich das Geld in der Firma abliefern...??
Mal sehen was wird...............

So weit von mir für jetzt, Gott schütze euch....wenn ihr an einen glaubt und mich wenn ich es noch verdiene.

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Offline Olli

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Re: Wirklich spielsüchtig.
« Antwort #1 am: 22 Juni 2014, 19:59:58 »
Hi und herzlich willkommen!

Wenn es einen Gott gibt, dann wird er Dir kein magisches Schild, kein Excalibur, geschweige denn eine Tarnkappe diese Nacht neben Dein Bett legen.

Er wird Dir Mut geben, Dich morgen den Tatsachen zu stellen.

Auch ich habe mit Anfang 20 Menschen um ihr Geld betrogen.
Dieses Ereignis hat mich zwar nicht davor bewahrt über 20 Jahre den Automaten zu frönen - kriminell geworden bin ich aber nie wieder.
Ich habe schlaflose Nächte damit verbracht auf die Polizei zu warten.
Bin fast wahnsinnig geworden vor Angst.
Selbst heute noch graust es mir vor meiner damaligen Tat.
Für die Zukunft war sie mir eine Lehre.
Auch heute noch habe ich das Gefühl, an der Gesellschaft etwas gut machen zu müssen.

Wie sieht das bei Dir aus?

Wenn ich an die Zeiten zurück denke, in denen ich befürchten musste in der Familie aufzufliegen - mein Gott, was habe ich da mit meiner Angst gespielt ...
Wenn ich in Deinem Beitrag lese, wie oft Du bereits aufgeflogen bist bei Deinen Arbeitgebern, dann muss ich davon ausgehen, dass Dir auch dieses Mal bewusst war, welche Konsequenzen Du morgen erfahren wirst.

Zockst auch Du mit Deinen Ängsten?

Mein Freund ... was hast Du nun vor?
Hast Du überhaupt irgend etwas vor in Richtung Genesung?

Wenn ja, dann lasse Dich von Deinen damaligen Erlebnissen mit den Profis nicht negativ beeinflussen.
Ich selber habe in der SHG die Erfahrung gemacht, dass ich selbst bereit sein musste, um das zu verstehen, was man versucht hatte mir zu vermitteln.

Spreche heute noch mit Deiner Frau - sage ihr die Wahrheit.
Absolute Ehrlichkeit ist das A und das O für eine Genesung.

Bitte sie um ihre Hilfe bei einem durchgreifenden Geldmanagement.

Selbst wenn Dir morgen noch eine Chance eingeräumt wird, suche Dir langfristig eine Arbeit, bei der Du nicht in Verbindung mit Deinem Suchtmittel Geld kommst.

Ich wünsche Dir gute 24 h.
Olaf, seit einigen 24 h spielfrei (soll heißen, dass auch Du das schaffen kannst)
Gute 24 h
Olaf


(Da ich kein Jurist bin, darf ich auch keine Rechtsberatung machen oder Handlungsanweisungen geben.
Ich gebe hier lediglich unverbindlich meine Meinung und Erfahrungen wieder.)
Hier geht es zum Samstagsmeeting_ https://us02web.zoom.us/j/87305340826?pwd=UnFyMlB6bkwyTHU3NGVISWFGNSs2

 

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